Hilfe...überall soziale Netzwerke

Rette sich wer kann!

Soweit das Auge reicht, blitzen Facebook und Konsorten auf. Jede Website wird von einem Link zu einem sozialen Netzwerk verschönert. Niemand ist vor diesen Communitys sicher, sogar auf seriösen Websites gibt es zu ihnen Links. Besonders berühmt ist der "Like it" Button, der automatisch zu Facebook weiterführt.
Dabei ist es gar nicht so lange her, als es nur einfache Flirtcommunitys gab. Diese waren regional begrenzt und stachen nicht so unverschämt ins Auge. Den Beginn dieses weltweiten Wahnsinns machte StudiVz vor etwa 4 Jahren als erstes großes Netzwerk. Jeder Student war zur damaligen Zeit registriert und konnte in Gruppen ausgiebig über Professoren lästern. Kontakte mit zukünftigen Kommilitonen konnte vor Studienbeginn geknüpft werden und keiner musste alleine vor dem Seminarraum warten. Bevor auch nur eine Vorlesung begonnen hatte, kannten sich die meisten Studenten schon aus StudiVz.
Moderne soziale Netzwerke wie Facebook sind hingegen anders gestrickt. Der Aspekt vom Single Dating spielt keine Rolle mehr, es zählt Privatsphäre und Anonymität. Trotzdem ist im Endeffekt jeder mit jedem befreundet, was der schnellen Kontaktaufnahme zu verdanken ist. Neue Freunde werden schon beim Einloggen auf der Startseite angezeigt und können sofort hinzugefügt werden. Die Werbeindustrie profitiert natürlich von dieser Entwicklung, da gezielt Marketing betrieben werden kann. Ein Produkt oder Star kann sich direkt auf der Plattform präsentieren und Werbung betreiben.


Hohes Suchtpotenzial

Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Facebook hat nachweislich einen hohen Suchtfaktor dem viele Nutzer unterliegen. Stündlich werden neue Mails abgerufen und Kommentare geschrieben. Manche Personen lassen soziale Netzwerke sogar während der Arbeit auf dem Handy laufen, um stets erreichbar zu sein.
Bevorzugt Jugendliche installieren auf ihren Smartphones extra Apps, die es ihnen erlauben dauerhaft online zu sein. Viele kaufen sich sogar speziell für diese Zwecke ein teures Handy. Unter Teenagern ist es absoluter Trend, immer verfügbar zu sein. Aber auch junge Erwachsene lieben Facebook und veröffentlichen täglich Statusmeldungen über ihren Zustand. Allerdings ist es fraglich ob es wirklich jemanden interessiert, wo Klaus sein Pausenbrot verspeist und wann Steffi eine Dönerbude besucht hat.
Das Leben wird ins Internet verlagert und es gibt Frauen, die ihren Traummann per Facebook kennenlernen. Männer gehen gezielt auf die Suche nach Frauen, indem sie sich durch Profile anderer Menschen willkürlich durchklicken. Auf die Idee es einmal in der Realität zu probieren, kommen die Betroffenen nicht. Sie haben Angst, sich ihren Ängsten zu stellen und verstecken ihre Schüchternheit hinter einem Monitor. Dabei gehen echte soziale Kontakte verloren, da Kommunikation ausschließlich über Tasten erfolgt. Mitglieder chatten sogar lieber abends vor dem Computer, anstatt sich auf ein Bier in einem Club zu treffen.


Ausstieg schwer gemacht

Wer nicht drin ist, gehört nicht dazu. Für viele Menschen würde es einem Selbstmord gleichen, sich aus einem sozialen Netzwerk abzumelden. Alle Freunde sind registriert und kommunizieren dort. Viele teilen ihren Freunden aktuelle Ereignisse mit und verabreden sich zu Partys. Es werden keine SMS mehr geschrieben, da soziale Netzwerke absolut kostenlos sind und Zeit beim Tippen sparen.
Dennoch gibt es Menschen, die den Schritt des Ausstiegs gewagt haben. In Blogs berichten sie über ihr Leben ohne Facebook und Co. Alle sind sich darüber einig, wie viel Freizeit sie plötzlich haben. Während sie vorher sinnlos vor dem PC saßen, können sie die frei gewordene Energie besser in Sport und andere Aktivitäten stecken. Außerdem verspüren sie nicht mehr den Druck, sich ständig einloggen zu müssen. News von Freunden sind egal, da diese auch in einem Gespräch ausgetauscht werden können. Das Leben ist plötzlich viel interessanter.
Deshalb sollte jeder so ein Experiment wagen weil es zeigt, wie vielseitig Zeit genutzt werden kann. Stundenlange Meetings am Computer schaden den Augen und zerstören das soziale Leben.